Losen oder wählen?

Ich habe übers Wochenende dieses faszinierende Buch des belgischen Historikers David Van Reybrouck gelesen – das wesentlich differenzierter geschrieben ist als der plakative Titel suggeriert.

Seine Kernthese: Es wäre letztlich demokratischer, politische Ämter unter den Bürgern zu verlosen als Politiker zu wählen. Denn durch Wahlen würde erst wieder eine neue „Aristokratie“ entstehen, wenn auch keine vererbte sondern eine gewählte.

Ein Los-Verfahren, ähnlich wie bei Geschworenen- oder Schöffengerichten, würde eine repräsentativere Auswahl, mehr Teilhabe und höhere Identifikation mit dem politischen System sicherstellen und – obwohl Laien für politische Entscheidungen verantwortlich wären – auch bessere Ergebnisse.

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„Das ist haram!“

Das ist einer der interessantesten Artikel, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.
(Nachtrag: Der Text wurde bei den Ö. Journalismustagen 2017 als „Story des Jahres“ ausgezeichnet.)


Ausschnitt aus dem Biber-Artikel

DAS BIBER, Dezember 2016

Warum “Weiß wählen” sinnlos ist

Aus aktuellem Anlass eine (leicht aktualisierte) Wiederholung vom Mai:
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Es scheint erstaunlich viele Menschen zu geben, die am Sonntag eine ungültige Stimme abgeben wollen, weil sie „mit beiden Kandidaten nichts anfangen“ können“, „beide nicht aushalten“ oder „von beiden nicht begeistert“ sind.

Und immer, wenn mir jemand so was erzählt, bin ich bass erstaunt.

Wir wählen morgen einen Bundespräsidenten – keinen Lebenspartner. Wir müssen ihn (Frau steht ja keine mehr zur Wahl) nicht mögen und nicht sonderlich sympathisch finden. Er wird den meisten von uns nur selten bis nie begegnen.

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18 Erklärungen für Donald Trump

Ok, das ist sehr lang, aber wahrscheinlich der klügste Text, den ich bisher über Donald Trumps Erfolg gelesen habe – und viele der 18 Erklärungen werden Ihnen aus dem ö. Präsidentschafts-Wahlkampf bekannt vorkommen: Trump-Foto zum ZEIT-Artikel

„Wir müssen Social Media mit Journalismus infiltrieren“

Gestern war ich eingeladen, beim “Mediengipfel” der 30. Münchner Medientage einen Vortrag zu halten. Das vorgegebene Thema: “Welche Medien wollen wir morgen in unserem Leben?”
Hier mein Text zum Nachlesen:


Vor drei Wochen hat die Washington Post eine Donald-Trump-Wählerin porträtiert. Diese Frau ist felsenfest überzeugt davon, dass Barack Obama ein schwuler Moslem aus Kenia ist, dass Michelle Obama vor ihrer Geschlechtsumwandlung ein Mann namens Michael war und dass die beiden Töchter der Obamas einer anderen Familie entführt und zwangsadoptiert wurden, schließlich gäbe es kein einziges Foto, das eine schwangere Michelle Obama zeigt. Klar, sie war ja ein Mann.

Diese Frau glaubt übrigens auch, dass Hillary Clinton mehrere Menschen umbringen ließ und dass der konservative Höchstrichter Antonio Scalia von einer Prostituierten ermordet wurde – im Auftrag des Weißen Hauses.

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Die Stunde der Amateure

Ok, ich bin in der Sache parteiisch, aber dieser Text ist schon ziemlich gut. Ich würde mich auch eher ungern von einem Amateur-Arzt operieren lassen. Und komisch: Niemand würde dieses Argument eines Arztes „arrogant“ oder „elitär“ finden.

Ausschnitt aus dem Spiegel-Artikel


Im Ernst: Es gibt wirklich exzellente Blogs und Texte von journalistischen Amateuren – so wie es fantastische Hobby-Musiker oder Hobby-Köche gibt, die jederzeit auch in diesen Branchen Karriere machen könnten. Und es gibt schlechten hauptberuflichen Journalismus – so wie es schlechte Restaurants gibt.

Aber grundsätzlich ist die Idee, Profis, die ein Handwerk gelernt haben, arbeiten zu lassen (und sie dabei kritisch zu beobachten) nicht übel.

Diesen Zettel …

… hat mein Ö1-Kollege Peter Daser heute an einem Baustellen-Container in Wien entdeckt. Großartig!

(Vielleicht könnte der Polier auch noch die Moderation auf Facebook übernehmen…)

Flugblatt mit Text: "Aufkleber mit menschenfeindlichen Inhalten werden nicht toleriert. MFG, der Polier