SPIEGEL-Schrift

Ein gutes Jahr nach der Reotius-Affäre hat der SPIEGEL heute neue Redaktions-„Standards“ veröffentlicht, die ab sofort für alle Mitarbeiter*innen gelten. 74 sehr lesenswerte Seiten, in denen im Detail beschrieben wird, wie SPIEGEL-Geschichten recherchiert, aufgeschrieben und überprüft werden sollen und wie die Redaktion künftig mit Fehlern umgehen will. Ich kenne keine Redaktion in Österreich, die derart ausführliche Leitlinien für ihre Arbeit hat.

SPIEGEL-STANDARDS Cover
SPIEGEL.DE, 3.2.2020

Unsere 50 häufigsten Vorurteile

Leider denken wir ja alle nicht annähernd so logisch, wie wir gerne glauben. Sogenannte Biases führen dazu, dass wir ganz unterschiedlich mit Informationen umgehen. Diese Grafik zeigt sehr hübsch und übersichtlich die 50 häufigsten dieser „Verzerrungen“.
(Danke für den Hinweis, Dirk von Gehlen!)


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VISUAL CAPITALIST, 1.2.2020

Charmeur, Lügner, Wirrkopf, Stratege – Wer ist Boris Johnson?

Das ist ein sehr lesenswertes, langes Porträt des britischen Premierministers Boris Johnson – geschrieben von einem ehemaligen Oxford-Studienkollegen:Screenshot mit Link


NEW YORK MAGAZINE, 6.12.2019

Alles, was Sie über Impfen wissen müssen

Auch dieses Jahr durfte ich wieder Juror beim renommierten Deutschen Reporterpreis sein – und erstmals war unsere Gruppe nicht nur für das Thema „Investigation“, sondern auch für „Wissenschaftsreportage“ zuständig.

Dazu haben wir acht – von einer Vorjury nominierte – exzellente Texte gelesen und eine fantastische Recherche aus dem Wissenschaftsbetrieb mit dem diesjährigen Reporterpreis ausgezeichnet. Sie finden alle acht Beiträge hier, der Siegertext „Wunschdenken“ von Patrick Bauer, Patrick Illinger und Till Krause aus dem SZ-Magazin beginnt auf Seite 76.

Mein persönlicher Favorit war allerdings ein Artikel von Vivian Pasquet aus GEO über die Impf-Debatte der letzten Jahre. Er ist für mich ein fast ideales Stück Journalismus: Ein großartiges Stück Aufklärung, das trotzdem nie belehrend ist, sich interessiert und auch empathisch Skeptikern und Kritikern nähert, eigene Zweifel thematisiert und aus dem man mit jedem Absatz klüger wird, bis man sich am Ende denkt: Jetzt kenne ich mich aus.


Screenshot mit TextGEO, 21.3.2019

Lese-Liste

Falls Sie nicht wissen, was Sie über die Feiertage lesen oder zu Weihnachten verschenken sollen – das US-Magazin Slate hat eine Liste der „50 besten Sachbücher der letzten 25 Jahre“ erstellt (in diesem Fall alle auf Englisch).


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SLATE, 18.11.2019

Die Zerstörung der Zeit

In den 1980er Jahren hat Joshua Meyrowitz ein brillantes, noch heute lesenswertes Buch über das Fernsehen mit dem Titel „No Sense of Place“ geschrieben. Heute könnte er ein neues Buch über das Internet schreiben, mit dem Titel „No Sense of Time“.

Derweil hat Buzzfeed diesen exzellenten Text veröffentlicht, der eindrücklich beschreibt, wie Social Media, Netflix, Spotify und Donald Trump unser Gefühl für Zeit zerstört haben.

Screenshot mit LinkBUZZFEED, 24.10.2019

Zeit für eine neue Befreiung

Kaum jemand – außer vielleicht Ivan Krastev – kann so kundig über Mittel- und Osteuropa schreiben wie der britische Historiker Timothy Garton Ash, der die „Samtenen Revolutionen“ von 1989 als Zeitzeuge und als Gesprächspartner zahlloser prominenter Dissidenten erlebt hat. In diesem Text zieht er – 30 Jahre nach der großen Befreiung von den kommunistischen Diktaturen – eine nüchterne, aber höchst lesenswerte Bilanz.

Screenshot mit LinkTHE NEW YORK REVIEW OF BOOKS, 24.10.2019

Quoten gegen mittelmäßige Männer

Die renommierte London School of Economics hat untersucht, welche Auswirkungen verpflichtende Frauen-Quoten in der Politik haben. Die zentrale Erkenntnis: Quoten wirken. Sie verbessern die Vertretung von Frauen – und das vor allem auf Kosten von „mittelmäßig kompetenten“ Männern.

Die Studie wurde in Schweden durchgeführt, weil dort besonders viele Daten öffentlich zugänglich sind, und sie wurde bereits 2017 veröffentlicht. Ich bin allerdings erst jetzt via Twitter darauf gestoßen. Jedenfalls eine sehr lesenwerte Zusammenfassung!

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BLOGS.LSE.AC.UK, 13.3.2017

Die Steuern rauf!

Das ist eine sehr informative und ausführliche Rezension des noch viel ausführlicheren neuen Buches von Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“), das bisher nur auf Französisch erschienen ist: „Capital et Idéologie“. Wieder beschäftigt sich Piketty mit der weltweiten Verteilung von Vermögen – und wie sie sich gerechter gestalten ließe. Er schlägt dafür vor allem radikal höhere Vermögenssteuern vor.

Screenshot mit LinkREPUBLIK.CH, 12.10.2019


Auf der gleichen Website gibt’s übrigens auch noch eine Kürzest-Zusammenfassung des 1.200-Seiten-Buches in 5.000 Zeichen.

Protokoll eines Auftragsmordes

Vor einem Jahr wollte der saudiarabische Dissident und Exil-Journalist Jamal Kashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul Dokumente abholen, um seine Verlobte zu heiraten. Er hat das Konsulat nicht mehr lebend verlassen.

In diesem beeindruckenden Text wird auf der Basis eines UNO-Sonderberichts, hunderter Medienberichte und eigener Recherchen im Detail dokumentiert, wie Kashoggi ermordet wurde. Im Auftrag des saudischen Regimes.

Screenshot mit LinkINSIDER.COM, 1.10.2019

Armin Wolf ist Journalist und TV-Moderator. Sein Blog befasst sich v.a. mit Medien und Politik.

Armin Wolf