Bis zum Jahr 2049, dem 100. Geburtstag der Volksrepublik, will Staatschef Xi Jinping seinen „chinesischen Traum“ verwirklichen und China „an der Spitze der Welt“ sehen. Schon während der letzten Jahrzehnte wurde aus einem kommunistischen Entwicklungsland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein globaler Technologieführer und ein zentraler geopolitischer Akteur.
Doch das ökonomische Erfolgsmodell ist fragiler als es scheint. Politisch ist auch das moderne China eine brutale Diktatur. Wie stabil ist dieses System? Was ist daran noch kommunistisch? Welche Ziele verfolgt Xi Jinping außenpolitisch? Wie wahrscheinlich ist ein Krieg um Taiwan? Und wie lange wird sich der 73jährige Xi noch an der Spitze von Partei und Staat halten können?
„Xi Jingpings Stuhl wackelt mehr, als wir uns vielleicht vorstellen können“, sagt die Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik: „Die Krise ist tief und das auch schon seit langem.“ Die langjährige Professorin an der Universität Wien, die in Peking studierte, als Mao starb, gilt als eine der der besten deutschsprachigen Kennerinnen des Landes. Ihr Bestseller „China und die Neuordnung der Welt“ ist eben in einer Neuauflage erschienen.
In einem ausführlichen Gespräch für Ö1 hat sie mir erklärt, warum der „unsichtbare Gesellschaftsvertrag“ in China nicht mehr funktioniert, dass es vermutlich viel weniger Chinesen gibt, als wir glauben, weshalb ein militärischer Angriff auf Taiwan „nie unrealistisch“ ist und warum man Strafmandate in China nicht einzahlen muss.
Die 52minütige Radio-Version von „Im Gespräch“ können Sie hier nachlesen. Aber es gibt auch eine gut 100minütige Podcast-Version, in der Weigelin-Schwiedrzik noch erzählt, warum sie das Regime in China für „nicht totalitär“ hält, wie der Massenmörder Mao so viele Linke im Westen faszinieren konnte und was passiert, wenn ein Chinese im Internet nach „Winnie the Pooh“ sucht oder nach „Tibet“.
Frau Prof. Weigelin-Schwiedrzik, als es die Sowjetunion noch gab, gab es für die Versuche, die politische Situation dort zu verstehen, den berühmten Begriff Kreml-Astrologie. Gibt es für das, was Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen in China machen, auch so ein Wort?
So ein Wort gibt es: Pekingologie. Aber es wird eigentlich von uns, also von denjenigen, die das wissenschaftlich betreiben, nicht benutzt. Es wird eher benutzt, wenn andere Menschen über uns sprechen.
Warum benutzen Sie es nicht?
Ich glaube, es kommt einem so vor, dass ja die ganzen Spezialisten, die sich mit der Sowjetunion befasst haben, nicht vorhergesagt haben, dass die Sowjetunion auseinanderbrechen würde. Und damit ist dieser Begriff auch etwas, sagen wir mal, in Verruf geraten und dem hängen wir uns nicht unbedingt an.
Aber arbeiten Sie so ähnlich wie die Kreml-Astrologen? Also schauen Sie bei Militärparaden, wer näher bei Xi Jinping steht und wer plötzlich weiter weg steht, oder auf die Sitzordnung im Volkskongress oder die Reihenfolge der Namen im Politbüro? Oder woher beziehen Sie Ihre Informationen, was im Inneren einer Diktatur wirklich los ist, in der es ja keine freien Medien gibt?
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Am meisten freuen wir uns aber darüber, dass mehr als 25.000 Menschen ein Buch gekauft haben, in dem sie erfahren, was eine „15a-Vereinbarung“ ist. Wir haben ja keinen Roman geschrieben und kein Kochbuch, Kabarettisten oder Sportlegenden sind wir auch nicht, sondern wir versuchen, auf 183 Seiten das politische System Österreichs zu erklären. Das aber tatsächlich niederschwellig und möglichst nicht fad.