Putins Publikum

Wow, das hat uns echt gefreut! Das ZiB-SPEZIAL mit einer auf 39 Minuten gekürzten Version des Wladimir-Putin-Interviews haben am Montag Abend im Schnitt 843.000 Menschen gesehen – bei einem Marktanteil von 30 Prozent.

Das heißt, ein knappes Drittel aller Menschen, die um diese Zeit in Österreich vor einem Fernseher saßen, haben sich ein sehr langes Politiker-Interview angesehen. 1.244.000 Menschen haben irgendwann in die Sendung hineingeschaut. Es war die mit Abstand quotenstärkste Sendung des Hauptabends. Danke auch für die weit über tausend persönlichen – und ganz überwiegend – positiven Reaktionen via Mail, SMS, Twitter und Facebook.

Die knapp 54 Minuten der ungekürzten Originalfassung des Interviews (mit englischen Untertiteln) können Sie hier nachsehen:

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Rendezvous mit Wladimir Putin

Nichts wurde ich in den letzten Wochen öfter gefragt als: „Wie bist du zu einem Interview mit Putin gekommen?“. Ich hätte gerne irgendeine tolle Geschichte erzählt, aber in Wahrheit habe ich gar nichts dazu getan.

Das lief nämlich so: Vor etwa zwei Monaten hat Carola Schneider, die Leiterin des ORF-Büros in Moskau, um ein Gespräch mit dem Präsidenten angefragt. Das hat sie schon öfter gemacht, jedesmal vergeblich. Der Kreml lehnt fast alle Interview-Wünsche ab. Doch diesmal war es anders. Da Putin einen Besuch in Österreich plane und zwar als erste Auslandsreise seiner neuen Amtszeit, bestehe vielleicht eine Chance, hieß es aus dem Kreml-Pressebüro. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen:

Nicht Carola würde das Interview führen, sondern aus Wien müsste ein „Hauptabend-Moderator“ anreisen. Das Gespräch würde 30 bis 40 Minuten dauern und mindestens 15 Minuten davon müssten auch im Hauptabend gesendet werden. Die deutsche Übersetzung sei mit der Kreml-Pressestelle abzustimmen. Und der Kreml werde eine ungekürzte Version des Interviews (als Video und als Abschrift) auf seiner Website veröffentlichen.

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Millionen – nicht Milliarden

Es war wirklich eine entzückende Hochzeit in Windsor – und ein Riesen-Fernsehereignis: „2 Milliarden sahen den Kuss des Brautpaares“, schreibt etwa die KRONENZEITUNG. Das allerdings ist frei erfunden.

Mal abgesehen davon, dass niemand die geringste Ahnung von den Fernsehquoten der Übertragung hatte, als die KRONE in Druck ging, weil sie da noch gar nicht erhoben waren, ist die Zahl bei weitem zu hoch, realistischerweise mindestens um das Vierfache, eher mehr.

Ich habe zu dem Thema schon einmal einen Text geschrieben – anläßlich des „Stratos“-Sprungs von Felix Baumgartner. Auch damals kursierte die absurde Zahl von zwei Milliarden TV-Zusehern – auch damals war sie bei weitem zu hoch. Allerdings hatte der Sprung damals deutlich mehr Zuseher als die gestrige Hochzeit.

Es gibt keine weltweiten Quoten-Messungen, aber allein die bereits bekannten Reichweiten aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA ermöglichen eine grobe Einschätzung, was denn plausibel ist.

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Die Flügel nieder

Das war ein wirklich ungewöhnlich Politiker-Rücktritt heute. Auch Werner Faymann, Reinhold Mitterlehner und Eva Glawischnig sind sehr überraschend gegangen (übrigens auch alle im Mai) – aber alle in einer tiefen Krise. Matthias Strolz geht, während es gut läuft. Für die Neos und für ihn.

Die Partei ist letzten Herbst problemlos wieder in den Nationalrat eingezogen und dieses Frühjahr in Niederösterreich, Tirol und Salzburg erstmals in den Landtag (mit Kärnten hatte niemand realistisch gerechnet). In Salzburg steht die erste Regierungs-Beteiligung bevor. Und Parteichef Strolz hatte sich im Parlament gegen die neue Koalition als leidenschaftlicher Oppositionspolitiker profiliert.

Der Rücktritt kam deshalb völlig überraschend – auch für seine Parteifreunde. Selbst prominente Neos-Abgeordnete haben erst heute früh via E-Mail oder Anruf davon erfahren, nur engste Vertraute waren seit wenigen Tagen eingeweiht. Öffentlich durchgesickert war bis heute Vormittag kein Wort.

Warum aber ausgerechnet heute?

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Herr Grimme & Herr Steger

Das war ein seltsam zwiespältiger Abend für mich gestern. Ich habe ihn in der deutschen Stadt Marl verbracht, wo seit 1964 jedes Jahr der Grimme-Preis vergeben wird, der angesehenste Fernsehpreis im deutschen Sprachraum, benannt nach Adolf Grimme, einem der Gründerväter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.

Ich wurde dort gestern mit einer „besonderen Ehrung“ ausgezeichnet, was die Jury u.a. so begründet hat:

„Die Kenntnis der Hintergründe und Fakten sind Leitlinien seines Erkenntnisinteresses in der Berichterstattung, nicht das Vorurteil. Mit seiner Expertise und journalistischen Hartnäckigkeit klärt er auf und demaskiert demokratiezersetzende Strömungen in Gesellschaft und Politik.“

Ich habe mich über diese große Auszeichnung natürlich sehr gefreut und hatte bei der Preisverleihung einen wunderbaren Abend – bis ich auf meinem Handy vom jüngsten Interview des ehemaligen FPÖ-Vizekanzlers Norbert Steger gelesen habe. Steger ist schon seit über drei Jahrzehnten nicht mehr Vizekanzler, aber er sitzt seit einigen Jahren als FPÖ-Vertreter im ORF-Stiftungsrat (die im Nationalrat vertretenen Parteien dürfen insgesamt 6 der 35 Stiftungsräte nominieren).

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Der mächtigste Kanzler seit Kreisky

Am Dienstag enden die berühmten ersten hundert Tage für das Kabinett Kurz I. Und egal, was man von dieser Regierung hält, kann man eines ziemlich klar konstatieren: Sebastian Kurz ist nicht nur der jüngste Kanzler, den Österreich je hatte, sondern auch der mächtigste Regierungschef seit sehr langer Zeit. In Wahrheit: Der mächtigste seit Bruno Kreisky – und der regierte noch mit absoluter Mehrheit, während Kurz und die ÖVP im Oktober auf gerade mal 31,5 Prozent gekommen sind.

Warum sollte Sebastian Kurz dann besonders mächtig sein?

In der klassischen Definition von Max Weber ist Macht ja die „Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ Und die Chancen von Sebastian Kurz, seinen Willen durchzusetzen, sind ziemlich groß – wegen vieler günstiger Umstände, die gleichzeitig zusammenspielen.

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Was lernen wir aus der Facebook-Affäre? Von Sarah Kriesche

Meine Kollegin Sarah Kriesche berichtet auf Ö1 und FM4 seit vielen Jahren über Internet-Themen. Sie hat mir heute ein langes Mail geschrieben, in dem sie die aktuelle Aufregung um Cambridge-Analytica aufdröselt, die Facebook in den letzten Tagen in die tiefste Krise seiner Existenz gestürzt hat. Dieses Mail erklärt die Affäre und ihre Hintergründe so gut, dass ich Sarah Kriesche um die Erlaubnis gebeten habe, ihren Text hier online zu stellen. Es wäre schade, könnte nur ich ihn lesen.


Das, was Facebook an User-Daten sammelt, ist der ursprüngliche Grund, weshalb Max Schrems seinerzeit vor Gericht gezogen war. Unter anderem waren in seinen Dokumenten Passagen mit dem Zusatz versehen gewesen, der User (Max Schrems) habe diesen Teil gelöscht. Sprich: Facebook hatte damals versehentlich öffentlich gemacht, dass wir zwar Inhalte löschen können – aber das bedeutet nur, dass wir selbst sie nicht mehr sehen. Das Unternehmen behält die Daten dennoch.

Diese Masse an Daten, von der Freundschaftsanfrage bis hin zum Telefonat oder privaten Chat, sind sozusagen der Treibstoff, damit Künstliche Intelligenz (KI) zu Hochform auflaufen kann. Dank KI ist es möglich, die Daten in Windeseile zu ordnen, zu kategorisieren und Vorhersagen zu treffen: Was werden wir kaufen? Wen werden wir wählen? Kann man das beeinflussen?

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Herr Strache entschuldigt sich

Der FPÖ-Chef und ich treffen uns doch nicht vor Gericht.
Ich hatte Herrn Strache ja wegen seines Facebook-Postings über angebliche „Lügen“ im ORF und auf meiner FB-Seite geklagt, konkret wegen Kreditschädigung, Ehrenbeleidigung und übler Nachrede.

Straches Anwalt Michael Rami hat daraufhin ein Vergleichsangebot geschickt, das ich nicht angenommen habe. Heute haben wir uns allerdings auf folgenden außergerichtlichen Vergleich geeinigt:

Herr Strache verpflichtet sich, diese – oder sinngleiche – Behauptungen zu unterlassen. Außerdem veröffentlicht er den nachstehenden Text zehn Tage lang auf seiner Facebook-Seite (oben fixiert) und einmalig auch als Inserat auf Seite 3 der KRONENZEITUNG:

Vergleichs-Text

Herr Strache übernimmt sämtliche Kosten des bisherigen Verfahrens und er bezahlt eine Entschädigung von € 10.000, die ich an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes spenden werde.

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Unzuverlässig wie nie: Die Wähler

Es war ein fulminanter Wahlsieg, den Peter Kaiser gestern in Kärnten errungen hat – mit dem dritthöchsten Zugewinn, den es je bei einer Landtagswahl gegeben hat.

Noch eindrucksvoller wird das Kärntner SPÖ-Ergebnis von 48 Prozent gestern aber im Vergleich zur Nationalratswahl. Im Herbst war Kärnten nämlich noch mehrheitlich blau und die SPÖ kam nur auf 29 Prozent. Die Freiheitlichen hatten im Oktober noch 32 Prozent, gestern waren es 23. Und die ÖVP schaffte mit dem Kanzlerkandidaten Kurz vor einem halben Jahr noch 26 Prozent in Kärnten, gestern aber nur mehr 15.

Dass die Wähler immer mobiler werden, ist seit Jahrzehnten ein Gemeinplatz der Politikforscher, aber so mobil wie bei den letzten Wahlen waren sie in Österreich noch nie.

In ihrem ganz neuen Buch über die Nationalratswahl 2017 haben die Wahlforscher Fritz Plasser und Franz Sommer dazu höchst eindrucksvolle Daten und Tabellen.*

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Fast 72 Prozent – und jetzt?

71,6 Prozent sind kein knappes Ergebnis, sondern fast drei Viertel aller abgegebenen Stimmen – mit denen die Schweizer heute die Initiative zur Abschaffung der Rundfunkgebühren abgelehnt haben. Es ist dann doch sehr deutlich geworden (Alle Details dazu hier).

Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das ein wichtiges Signal. Natürlich in erster Linie in der Schweiz, aber auch für den gesamten deutschsprachigen Raum, wo rund um das Referendem ebenfalls eine Debatte über die Gebühren begonnen hat.

Angefeuert wird die Kritik vor allem von der AfD in Deutschland und der FPÖ in Österreich, wobei die FPÖ als Regierungspartei wesentlich mehr Einfluss in der Frage hat. Nach dem Ergebnis der Schweiz wäre ich allerdings sehr überrascht, käme es auch in Österreich zu einer Abstimmung über die GIS.

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Armin Wolf ist Journalist und TV-Moderator. Sein Blog befasst sich v.a. mit Medien und Politik.

Armin Wolf