Archiv der Kategorie: Blog

Hier schreibe ich selbst, v.a. Texte zu aktuellen Themen aus Medien und Politik, mitunter auch zu anderen tagesaktuellen Anlässen. Die Frequenz ist unregelmäßig, ebenso die Länge. Manche Blogeinträge sind sehr kurz, manche sehr lang. Alle vor Februar 2018 erschienen ursprünglich auf meiner Facebook-Seite. Für eine Übersicht aller verfügbaren Kategorien klicken Sie bitte hier.

Das Geheimnis meiner „geheimen Investition“

Seit einigen Wochen tauchen auf Facebook ständig neue Werbe-Postings mit Fotos von mir auf, in denen ich angeblich das Geheimnis meiner „jüngsten geheimen Investition“ oder meines „Reichtums“ verraten würde. Das ist natürlich alles FAKE.

Aber extrem ärgerlich. Zum einen, weil vielleicht Menschen auf diesen Schwindel hineinfallen und zum anderen, weil ich grundsätzlich keine Werbung mache (und aufgrund des ORF-Gesetzes auch gar nicht dürfte).

Mittlerweile wird aber klarer, warum diese Fake-Postings immer mehr werden. Der IT-Experte Martin Haunschmid hat sich das näher angeschaut (danke !!!) und ist dabei auf einige interessante Details gestoßen.

Screenshots Fake-Postings

Letztlich geht es um Werbung für irgendwelche Kryptowährungs-Spekulationsgeschäfte (Mein tatsächlicher Tipp: Lassen Sie die Finger davon!). Die werden jedoch auf Facebook nicht mehr so einfach ausgespielt, weil es sich dabei sehr häufig um betrügerische Angebote handelt. Deshalb verstecken sich die neuen Anzeigen mit Fotos von Prominenten häufig auch hinter scheinbar harmlosen Seiten, etwa mit Kochrezepten (mit denen habe ich aber auch nichts zu tun, ich kann – zum Verdruss meiner Frau – gar nicht kochen).

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Ibiza – Das Buch zum Film (und ein Vorwort)

Heute ist das Buch „Die Ibiza-Affäre“ von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer erschienen. „Die Obermayers“, wie das Reporter-Duo mitunter genannt wird, sind Investigativ-Journalisten bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und mit der Enthüllung der Panama-Papers – jedenfalls in der Medienbranche – berühmt geworden.

Ihnen wurde letztes Jahr jenes Bildmaterial angeboten, aus dem am 17. Mai, Schlag 18 Uhr knapp sieben Minuten als „Ibiza-Video“ online und um die Welt gegangen sind. Gemeinsam mit Kollegen vom SPIEGEL hatten sie die vielen Stunden Videomaterial wochenlang geprüft und ausgewertet. Wie sie das gemacht haben und was in den Filmen zu sehen ist, das beschreiben sie in ihrem Buch spannend wie in einem Krimi.

Buch-CoverAbwechselnd erzählt immer ein Kapitel vom Abend in der Mietvilla im Juli 2017 und eines, wie die Reporter zu ihrem Material gekommen sind. Neu ist, dass ihnen das Video bereits im Spätsommer 2018 angeboten wurde. Die Kontakte mit „der anderen Seite“ zogen sich dann – mühsam und teils sehr frustrierend – über viele Monate. Erstmals offenbaren die Autoren, dass sie auch die berühmte russisch-lettische „Oligarchin“ getroffen haben, deren Identität – als einzige im Video – nie bekannt geworden ist. Sie bleibt auch im Buch anonym, versichert aber „entspannt und glaubhaft“, sie hätte gewusst, worauf sie sie einlasse, sei nicht erpresst worden und habe auch kein Geld bekommen. Und: Sie hätte es sich „wesentlich schwerer vorgestellt“.

Anonym bleiben auch jene Menschen, die der SZ und dem SPIEGEL das Bildmaterial angeboten und letztlich übergeben haben. Über allfällige Auftraggeber weiß man auch nach den 269 Seiten nicht mehr.

Die beiden Reporter berichten, wie Ihnen das Video erstmals auf einem manipulierten Laptop vorgeführt wurde, auf dessen Bildschirm ohne Spezialbrille nichts zu erkennen war (um zu verhindern, dass sie etwas abfilmen). Und sie schreiben ausführlich über ihre Zweifel und ihre Ängste, dass sie Fälschern aufsitzen könnten und mit welchem Aufwand das Material – gemeinsam mit dem (Relotius-geschädigten) SPIEGEL – bis ins kleinste Detail überprüft wurde. Gerade diese Kapitel machen „Die Ibiza-Affäre“ auch zu einem Lehrbuch über professionelle Recherche und investigativen Journalismus.

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„Wenn’s nicht krumm war, dann war’s erstaunlich dumm“

Im Schweizer Radiosender SRF3 hat mich Moderator Dominic Dillier für die Talk-Sendung Focus knapp eine Stunde lang über die aktuelle Politik in Österreich, unsere bemerkenswerte Medienlandschaft und meine Arbeit befragt. Hier zum Nachhören:

Screenshot mit Audiolink

Was lernen Politiker*innen in Medientrainings?

Heute Abend beginnen die diesjährigen ORF-Sommergespräche, die meistdiskutierte Interviewserie im heimischen Fernsehen. 1981 fanden sie zum ersten Mal statt – damals, um bei der REPORT-Vorläufersendung POLITIK AM FREITAG die nachrichtenschwächsten Sommerwochen zu überbrücken. Weil 1981 nur drei Parteien im Nationalrat vertreten waren, gab es auch nur drei Sommergespräche: PaF-Chef Peter Rabl sprach mit ÖVP-Chef Alois Mock und FPÖ-Obmann Norbert Steger, SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky wurde von Fernsehintendant Franz Kreuzer interviewt.

Berühmt wurde das Steger-Gespräch. Weniger wegen des Inhalts – kein Mensch weiß mehr, was damals gesagt wurde. Sondern weil Interviewer Peter Rabl wegen der Riesenhitze mit dem FPÖ-Chef in den Swimmingpool sprang, um das Gespräch dort zu beenden (Video). Es blieb eine einmalige Einlage.

Steger-Rabl-Pool TOTALE

Das bisher meistgesehene Sommergespräch war 36 Jahre später jenes von Tarek Leitner mit dem damals neuen ÖVP-Chef Sebastian Kurz, wenige Wochen vor der Nationalratswahl 2017. 1.034.000 Zuseher*innen waren durchschnittlich dabei. (Hier eine vollständige Auflistung aller ORF-Sommergespräche bisher, inkl. zahlreicher Screenshots.)

Dieses Jahr gibt es fünf Sommergespräche, erstmals geführt von meinem Kollegen Tobias Pötzelsberger, der im Mai mit seiner fulminanten Moderation einer fast sieben Stunden langen „Ibiza“-Sondersendung schlagartig bekannt geworden ist. Tobias arbeitet erst seit einem Dreivierteljahr in der ZiB-Redaktion, ist aber – trotz seiner relativen Jugend – ein ORF-Routinier. Fast 15 Jahre lang war er Reporter und Moderator im Landesstudio Salzburg und hat dort auch zahllose ausführliche Radio-Interviews mit Politiker*innen geführt.

Der Moderator ist dieses Jahr also neu – altbekannt hingegen wird so manche Antwort-Strategie der fünf Parteichef*innen sein. Auch wenn eine aktuelle Studie über die Sommergespräche zeigt, dass im langjährigen Schnitt drei von vier Fragen der Interviewer*innen tatsächlich beantwortet werden, werden wir auch heute um 21h05 und an den nächsten vier Montag-Abenden beobachten können, wie Spitzenpolitiker*innen Fragen ignorieren, ausweichen oder sehr lange Antworten auf Fragen geben, die gar nicht gestellt wurden.

Das machen Politiker*innen natürlich nicht spontan. Sondern weil sie für Medienauftritte eigens geschult werden. Ich kenne das – häufig frustrierende – Ergebnis seit vielen Jahren aus der Perspektive des Interviewers. Aber wie sieht es aus der Warte derjenigen aus, die Politiker*innen schulen?

Das habe ich Lena Doppel-Prix gefragt, eine erfahrene Kommunikations- und Medientrainerin, die aus vielen ORF-Sendungen auch als Social-Media-Expertin bekannt ist. Lena hat immer wieder Politiker*innen (der SPÖ, der Grünen und der Liste Jetzt) geschult – und zum Start der diesjährigen Sommergespräche für meinen Blog dankenswerterweise diesen Gastbeitrag geschrieben:


Das ist eine wirklich interessante Frage… (die ich nicht gedenke, zu beantworten.)

VON LENA DOPPEL-PRIX

Jeder von uns hat diese Floskeln schon dutzendfach gehört: Das ist eine sehr interessante Frage, aber lassen Sie mich zuerst vorausschicken…; Was wirklich wichtig ist… oder Was wir schon immer gesagt haben, ist… Politiker verwenden sie tagtäglich um Fragen von Journalistinnen zu ignorieren und stattdessen auf eigene Kernbotschaften überzuleiten.

Aber nur weil etwas verwendet wird, muss es ja nicht gut sein. Ist es wirklich ratsam, Fragen von Journalistinnen in Live-Interviews nicht zu beantworten? Trainieren Medientrainer tatsächlich solche Techniken, unterrichten Rhetoriktrainerinnen das Ignorieren von Fragen zum Wohle der eigenen Botschaft? Oder ist es gar nur eine Ausrede für vorbereitungsfaule oder sogar journalistenfeindliche Politiker?

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Die Konterrevolution der Zornigen

Von all den Büchern, die ich in den letzten Jahren über Populismus gelesen habe, ist dieses das lohnendste. Die deutsche Soziologin Cornelia Koppetsch (TU Darmstadt) sieht den Aufstieg der Rechtspopulisten in Europa und den USA als „Konterrevolution“ gegen die Folgen der Globalisierung seit 1989 – als „kollektiven, emotionalen Reflex“ auf einen „noch unbewältigten epochalen Umbruch“. Das ist ihre grundsätzliche These. Was ihr Buch aber vor allem spannend macht, ist die Differenziertheit und Tiefe der Analyse und wie sie aus verschiedenen soziologischen Perspektiven hergeleitet wird.

GEWINNER UND VERLIERER

Die Globalisierung führte laut Koppetsch zur Herausbildung einer postnationalen, akademisch gebildeten, urbanen professionellen Klasse von Kreativ- und Wissensarbeitern. Deren kosmopolitischen, ökologisch-bewussten, gesellschaftlich-liberalen Lebensstil hat der amerikanische Journalist David Brooks schon vor knapp zwanzig Jahren präzise beschrieben – in seinem globalen Bestseller „Bobos in Paradise“. Gute Ausbildung, Sprachkenntnisse und „global einsetzbares kulturelles Kapital“ machen das „postindustrielle Bürgertum“ der bourgeoisen Bohemiens zu den Gewinnern der wirtschaftlichen Liberalisierung und Globalisierung.

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Über Jugendsünden und die Macht von Wikipedia

Wenn man öfter im Fernsehen auftritt, wird gelegentlich auch über einen geschrieben und man wird zu Diskussionsveranstaltungen eingeladen, in Schulen, auf Unis, von Kulturvereinen. Die Gesprächspartner, auf die man dort trifft, sind sehr unterschiedlich vorbereitet. Manche verblüffen einen mit biografischen Details und müssen wirklich viel gelesen haben, andere wissen eher wenig. Das einzige, das immer alle kennen, ist der Wikipedia-Eintrag ihres Gastes.

Ich bin kein PR-Experte, aber eines habe ich in den letzten 17 Jahren in einem relativ exponierten Beruf gelernt: Es gibt für Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, kaum etwas Wichtigeres als ihren Wikipedia-Eintrag. Das ist das, was jeder von einem weiß.

Auf meiner Wikipedia-Seite zum Beispiel steht seit etlichen Jahren, dass ich mal Mitglied der Jungen ÖVP war. Und da steht auch: „Seine JVP-Mitgliedschaft bezeichnete Wolf später als ‚Jugendsünde‘.“

DIE WAHRE GESCHICHTE

Seither wurde ich dutzendfach auf dieses Zitat angesprochen, vor allem in Diskussionen mit Jugendlichen – und erst vor wenigen Tagen stand es wieder in einem Zeitungsporträt. Und jedesmal muss ich diese „Jugendsünde“ erklären – deshalb erkläre ich sie jetzt mal hier. Was nämlich nicht auf Wikipedia steht: Die „Jugendsünde“ war ironisch gemeint.

Und ich verdanke sie Michael Spindelegger. (Von dem ja sonst – außer der Entdeckung von Sebastian Kurz – eher wenig blieb.)

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Zwei Wünsche an die Kanzlerin

Das All-Star-Beamt*innen-Kabinett, das für die nächsten Monate die Regierung führt, soll “eine gute und geordnete Verwaltung der Staatsgeschäfte” sicherstellen, hat der Bundespräsident bei der Vorstellung der ersten Bundeskanzlerin gesagt.

Große Politik wird diese Übergangs-Regierung also nicht machen und dem Parlament deshalb kaum neue Gesetze vorschlagen. Das ist in dieser speziellen politischen Situation auch sehr vernünftig, die Regierung ist schließlich nicht aus Wahlen hervorgegangen. Und doch gibt es zwei Gesetze, für die diese Beamt*innen-Regierung die perfekte Initiatorin wäre.

Es sind zwei Themen, bei denen die Parteien im Nationalrat fundamentale Interessenskonflikte haben – weil es darum geht, ihren Einfluss, ihre Macht und ihre Ressourcen vernünftig zu regeln und zu beschränken. Was ein bisserl so ist, als würde man einen Hund auffordern, neben einer Knackwurst zu fasten. Kann man versuchen, aber nur, wenn man die Knackwurst nicht braucht.

Diese beiden Themen sind die Parteienfinanzierung und der öffentlich-rechtliche Rundfunk. (Es gäbe noch ein drittes: Politikergehälter. Aber die sind seit einer großen Debatte vor zwei Jahrzehnten sehr vernünftig festgelegt.)

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„Prahlerisch wie ein Teenager“ – Jetzt erst recht!

Ich kenne Heinz-Christian Stache ziemlich lange – und schon unser erstes großes Interview vor 14 Jahren hat eine Seite von ihm gezeigt, die ihm jetzt politisch zum Verhängnis geworden ist.

Es war Straches erstes Sommergespräch im August 2005. Seit wenigen Monaten war er FPÖ-Obmann, nachdem Jörg Haider mit fast allen Ministern und Abgeordneten das BZÖ gegründet hatte. Es war Straches erster wirklich großer medialer Auftritt.

In der Vorbereitung hatte ich mir seine recht aufwändig gestaltete Homepage angeschaut (längst nicht mehr aktiv), die auch über seine persönlichen Vorlieben Auskunft gab, vom Lieblingsfilm („Braveheart“) bis zum Lieblingsbuch: „Der Waldgang“, ein Essay des deutschen „Stahlgewitter“-Philosophen Ernst Jünger aus dem Jahr 1951. Auf Straches Homepage stand als Erklärung für seine Wahl eine exzellent geschriebene Kurzrezension des schmalen Bandes. Und ich muss gestehen, ich war verwundert.

Ich habe während des Studiums einige politische Philosophen gelesen. Den schwülstigen Jünger fand ich stets mühsam und es hatte mich schon erstaunt, dass Strache neben seinem platten Filmtipp einen derart sperrigen (wenn auch ideologisch kompatiblen) Lieblingsautor nennt – vor allem aber, dass er eine solche Buchkritik verfassen würde.

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Wie hart darf ein Interview sein?

Ich bin ja der Überzeugung, dass Medien und Journalist*innen ihre Arbeit und ihr Handwerk heute sehr viel mehr öffentlich erklären und transparent machen müssen als früher – um das Vertrauen des Publikums zu behalten und um sich Kritik zu stellen. Das ist auch ein wesentlicher Grund für diesen Blog – auf dem ich häufig über meine Arbeit schreibe.

In den letzten Tagen kam in der Debatte um mein Interview mit Herrn Vilimsky auch die Kritik, ich würde im ZiB2-Studio grundsätzlich versuchen, meine Gesprächspartner stets „aufzublattln“ oder „aufzumachen“ oder gar zu „vernichten“. Für mich ist meine Annäherung an Interviews aber eine ganz andere.

Ich führe natürlich ganz andere Gespräche als Claudia Stöckl in „Frühstück bei mir“. In der ZiB2 sind es in der Regel kontroversielle Interviews mit politischen Akteur*innen über Politik. Es geht weniger um sie als Person und schon gar nicht um Privates. Die Interviews sind in der Regel live und mit sechs bis zehn Minuten recht kurz.

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„Das irre Ösi-Theater“ – eine Presseschau

Ich moderiere die ZiB2 ja schon seit fast 17 Jahren und bin doppelt so lange Journalist. Es waren auch schon gelegentlich Politiker über Interviews mit mir einigermaßen empört (Pröll, Faymann, Stronach, Voggenhuber u.a.) – aber die letzten Tage waren trotzdem ganz anders. Noch nie habe ich auch nur annähernd so viele Reaktionen von Zuseher*innen bekommen, es waren seit dem Gespräch mit Herrn Vilimsky mehrere tausend. Und noch nie waren sie derart einhellig positiv.

Auch das Medienecho ist enorm wie nie. Vor allem in Deutschland haben die Attacken der FPÖ enorme Wellen geschlagen, auch noch Tage nach dem Interview selbst. Ausgelöst hat das möglicherweise SPIEGEL.DE, das in Deutschland sehr viele Journalist*innen als Browser-Startseite haben. Montag früh war dort ein sehr ausführlicher Bericht von Österreich-Korrespondent Hasnain Kazim stundenlang der „Aufmacher“, unter dem etwas dramatischen Titel „Der wahre Löwe ist der Wolf“.

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Armin Wolf ist Journalist und TV-Moderator. Sein Blog befasst sich v.a. mit Medien und Politik.

Armin Wolf