„Ich habe sehr viel Gefühl. Aber ich führe.“

Mit Helga Rabl-Stadler durch Salzburg zu spazieren, ist ein Erlebnis. Alle paar Meter grüßt die langjährige Festspiel-Präsidentin jemanden oder wird angesprochen. Wer oder wen sie nicht erkennt, ist ziemlich sicher nur zu Besuch in der Stadt.

27 Jahre lang hat die heute 78-jährige das wichtigste Kulturfestival der Welt geleitet, ab 2017 gemeinsam mit Markus Hinterhäuser, dem gefeierten Intendanten, der im Frühjahr nach einem heftigen Konflikt mit dem Festspiel-Kuratorium überraschend beurlaubt wurde. Rabl-Stadler hatte sich bis zuletzt für ihn eingesetzt – bis zu ihrem Abschied 2021 galten die beiden als geniales Duo.

Aber Rabl-Stadler war nicht nur die erste Frau an der Spitze der Salzburger Festspiele. Bereitsmit 26 hatte die promovierte Juristin als erste Journalistin im Land eine eigene politische Kolumne im KURIER. Als Unternehmerin wurde sie zur ersten Präsidentin einer Handelskammer. Und hätte sie das Angebot nicht abgelehnt, wäre sie als ÖVP-Politikerin zur erster Handelsministerin Österreichs geworden. Immer wieder wurde sie auch als mögliche Bundespräsidentin genannt.

Rabl-Stadler ist die älteste Tochter des legendären ORF-Generalintendanten Gerd Bacher. Das erfuhr sie allerdings erst an ihrem 21. Geburtstag aus einem Brief des Mannes, den sie bis dahin für ihren Vater gehalten hatte. Gerd Bacher wurde zu einem zentralen Bezugspunkt für sie – und wie ihr Vater ist Helga Rabl-Stadler eine grandiose Erzählerin. Und jemand, der sehr viel zu erzählen hat.

Ein idealer Gast also für die Ö1-Reihe „Im Gespräch“. Im Folgenden das Transkript der 52-minütigen Radiosendung, eine 93-minütige Langfassung des Gesprächs gibt es überall, wo Sie Podcasts hören.


Helga Rabl-Stadler, in den letzten Monaten sind drei wichtigen Institutionen dieses Landes recht unvermittelt die Männer an der Spitze abhandengekommen und drei Frauen sind angetreten, um quasi die Trümmer wegzuräumen. In der Wirtschaftskammer, im ORF und bei den Salzburger Festspielen. Alle drei Institutionen kennen Sie sehr, sehr gut.
Sie waren Wirtschaftskammer-Päsidentin in Salzburg. Sie waren eine sehr erfolgreiche Journalistin und Ihr Vater hat den modernen ORF quasi gegründet. Und Sie waren 27 Jahre lang Präsidentin der Festspiele. Naheliegenderweise beginnen wir bei den Festspielen, die ja in wenigen Tagen starten. Es sind die ersten Festspiele seit 2017 ohne Ihren langjährigen Kollegen und Freund Markus Hinterhäuser als Intendant. Wie geht es Ihnen damit?

Ich habe mir vorgenommen, als ich bei den Festspielen gegangen bin, dass ich nichts kommentiere, was in der Zeit nach mir geschieht. Das fällt mir jetzt besonders schwer, da ich Markus Hinterhäuser für einen der besten Programmmacher in der Geschichte der Festspiele halte.

Ich fürchte, so leicht kann ich ihn beim Thema dann doch nicht weglassen, weil das ja doch etwas war, das die Öffentlichkeit in den letzten Monaten sehr, sehr stark beschäftigt hat. Markus Hinterhäuser wurde Ende März mit sofortiger Wirkung sehr überraschend beurlaubt, nachdem im SPIEGEL, dem deutschen Nachrichtenmagazin, ein großer Bericht (€) über seinen Führungsstil erschienen ist. Und nach einem längeren öffentlichen Konflikt mit dem Festspielkuratorium rund um die Schauspielleitung und um eine angebliche Wohlverhaltens-Klausel in seinem Vertrag. Aber der Öffentlichkeit ist bis heute nicht wirklich bekannt, was Hinterhäuser konkret vorgeworfen wurde. Wissen Sie es?

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Mein erstes PROFIL

Lustig, was man alles beim Aufräumen findet. Das war im Dezember 1981 mein erstes PROFIL. Ich war 15 und hatte ein paar Monate zuvor an meiner Hak eine Schülerzeitung gegründet. Journalismus begann mich zu interessieren und die Titelgeschichte hat mich neugierig gemacht. Seither habe ich nur ganz wenige Ausgaben versäumt.

Vier Jahre später war ich als freier Mitarbeiter im Innsbrucker ORF-Landesstudio selbst Journalist. 1988 übersiedelte ich nach Wien in die Außenpolitik-Redaktion des Hörfunks, war 1991/92 als ORF-Korrespondent in Washington und wechselte danach in die Radio-Innenpolitik.

1994 machte mir der legendäre Herausgeber Hubertus Czernin ein Angebot, ins Inlands-Ressort des PROFIL zu kommen. Er war sehr großzügig, ich sehr geehrt, wir hatten tolle Gespräche, ich überlegte zwei Wochen lang intensiv, entschied mich letztlich aber doch, im ORF zu bleiben und ging 1995 als Reporter zu Johannes Fischer in die ZiB2.

Falls jemand die Journalisten-Gehälter aus der Geschichte nachrechnen will: Die 40.000 Schilling, die PROFIL-Herausgeber Peter Michael Lingens 1981 netto verdiente, wären heute inflationsbereinigt ziemlich genau 9.000 Euro. Von der üppigen Gewinnbeteiligung und dem Dienstwagen kann die Herausgeberin 2026 vermutlich nur träumen.

Von den damals prominenten Journalisten auf dem Titelblatt (Günther Nenning, „Staberl“ Richard Nimmerrichter, Franz Kreuzer, Thomas Chorherr, Hugo Portisch, Kurt Vorhofer, Hans Dichand, Eva Deissen, Otto Schulmeister, „Adabei“ Roman Schliesser) leben heute nur mehr Boulevard-Profi Wolfgang Höllrigl (74) und die große Barbara Coudenhove-Kalergi (94), die ich im Frühling für ein ausführliches Ö1-Gespräch getroffen habe.

Langsam (wird) ermittelt

Wer lange prüft … kommt dann doch irgendwann in die Gänge. Zumindest wenn eine Weisung von ganz oben nachhilft.

Das ist mir jetzt passiert – mit meiner Anzeige gegen X/Twitter. Zur Erinnerung: Meine Anwältin Maria Windhager hat im Oktober 2025 bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht, wegen des Verdachts auf „Begünstigung“ nach § 299 StGB. Wir glauben nämlich, dass X einen extrem agressiven anonymen Troll aus Österreich der Strafverfolgung „entzieht“ – und das wäre strafbar.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat diese Anzeige über ein halbes Jahr lang sehr, sehr gründlich geprüft und wollte die Sache dann offensichtlich zu den Akten legen. Doch das hat nun das Justizministerium verhindert und mittels einer Weisung vom 8. Juni 2026 angeordnet, dass Ermittlungen gegen unbekannte Täter („Veranwortliche der irischen ‚X Internet Unlimited Company‘“) und gegen das Unternehmen selbst als „verantwortlichen Verband“ aufzunehmen sind.

Ich finde das sehr cool, ich habe jetzt quasi eine eigene Weisung aus dem Justizministerium, gerade noch rechtzeitig, bevor der „Weisungsrat“ dort abgeschafft und durch eine neue Bundesstaatsanwaltschaft ersetzt wird. 😉

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