Wie soziale Medien den Journalismus verändert haben und der Journalismus die sozialen Medien (Spoiler: Nicht zum Besseren). Sehr lesenswerte Analyse!
Alle Beiträge von Armin Wolf
George Washington hatte einen Traum
1 inch = 2,54 cm
1 foot = 12 inches
1 yard = 3 feet
1 mile = 1760 yards = 1609,34 m
0 Grad Fahrenheit = -17,8 Grad Celsius
100 F = 37,8 C
0 C = 32 F
36,6 C = 97,9 F
100 C = 212 F
1 ounce = 2,835 dag
1 pound = 16 ounces
2000 pounds = 1 ton
1000 pounds = ???
1 gallon = 4 quarts = 8 pints = 3,785 l
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Was ist Journalismus? Kurzfassung
Harald Fidler, der Leiter des Medienressorts im STANDARD, gilt seit vielen Jahren als kompetentester und bestinformierter Medienjournalist des Landes. Alle paar Jahre erklärt Fidler die, sagen wir mal, ungewöhnliche heimische Medienlandschaft auch in einem Buch.
Das jüngste Werk ist vor wenigen Tagen erschienen. Es bietet auf 232 Seiten einen umfassenden Überblick, zahllose Daten und Fakten, Hintergründe und pointierte Erzählungen zu den wichtigsten Akteur·innen. Zu einigen zentralen Grundbegriffen hat Fidler bekannte Journalist·innen um kurze Erklärtexte gebeten, wie in einer Art Lexikon. Die Frage an mich lautete: „Was ist Journalismus?“. Meine Antwort wird regelmäßige Leser·innen dieses Blogs nicht überraschen.
WAS IST JOURNALISMUS?
Aus Fidler, Harald: So funktioniert Österreichs Medienwelt. Mechanismen, Machtspiele und die Zukunft der Medien, Wien 2023: S. 47f.
Pressefreiheit ist längst nicht mehr „die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“, wie der deutsche Journalist Paul Sethe einst spottete. Pressefreiheit ist heute die Freiheit von Milliarden Menschen mit Internetzugang, ihre Meinung ins Netz zu stellen – und damit potentiell ein Millionenpublikum zu erreichen. Jede·r kann heute ein Massenmedium gründen. Doch nicht alles, was dort veröffentlicht wird, ist Journalismus.
Journalismus ist ein Handwerk mit Regeln und Routinen. Und eine öffentliche Dienstleistung.
Journalist·innen versorgen die Gesellschaft mit der Faktenbasis, die sie als Grundlage für einen sinnvollen Diskurs über ihre gemeinsamen Angelegenheiten benötigt. Im Zeitalter „alternativer Fakten“ ist diese Basis nicht mehr selbstverständlich. Die „Deregulierung des Wahrheitsmarkts“ (Michael Seemann) durch die allumfassende Digitalisierung hat den öffentlichen Raum mit einer unüberschaubaren Masse an Propaganda, Fake News, Verschwörungsfantasien und belanglosem Entertainment geflutet.
Die ergebnisoffene Recherche, Überpüfung, Auswahl, Gewichtung, Aufbereitung und Veröffentlichung gesellschaftlich relevanter Fakten – Journalismus als „bestmögliche Version der Wahrheit” (Carl Bernstein) – wird in dieser Situation immer elementarer.
„Journalismus ist Unterscheidung”, hat der legendäre ORF-Chef Gerd Bacher gesagt: „Zwischen wichtig und unwichtig, zwischen wahr und unwahr, zwischen Sinn und Unsinn“.
Dieser Satz ist drei Jahrzehnte alt. Nie war er aktueller.
„… werden als verfassungswidrig aufgehoben.“
Der Einfluss der Bundesregierung auf die ORF-Gremien ist zu groß. Das hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) jetzt in einem historischen Erkenntnis festgestellt.
An dieser Entscheidung bin ich eventuell nicht ganz unschuldig. In diesem Blog habe ich letztes Jahr auf einen Aufsatz von VfGH-Präsident Grabenwarter von 2018 zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland aufmerksam gemacht. Grabenwarter hat damals argumentiert, dass der übergroße Einfluss von Regierungen auf den öffentlichen Rundfunk der Rechtssprechung zur Meinungsfreiheit (Art. 10) in der Europäischen Menschenrechtskonvention widerspricht. Daraus habe ich geschlossen, dass auch die Besetzung des ORF-Stiftungsrats – wo die Regierungsparteien per Gesetz quasi automatisch eine Mehrheit haben – verfassungswidrig sein müsste.
Die Regierung (konkret ihr Verfassungsdienst) hat das vehement bestritten, aber die burgenländische Landesregierung ist im Juni 2022 tatsächlich vor den Verfassungsgerichtshof gezogen und hat in einem ausführlichen Antrag die Aufhebung jener Bestimmungen verlangt, in denen das ORF-Gesetz die Bestellung von Stiftungs- und Publikumsrat regelt.
Heute hat sie damit – teilweise! – recht bekommen.
Guilty Pleasure
Für eine Sommerserie über die „geheimen Leidenschaften“ von Medienmenschen hat mich das immer lesenswerte Medienportal Übermedien um einen kleinen Text gebeten – und ich habe ein Geständnis abgelegt. 😉
SÜCHTIG NACH TIKTOK
TikTok ist die Hölle. Glauben Sie einem demnächst 57-Jährigen. Ich habe keine Erfahrung mit herkömmlichen Drogen oder anderen Substanzen, die süchtig machen. Aber der Algorithmus von TikTok ist die Hölle. Auf Speed.
Jeden Abend, bevor ich – als Moderator einer Spätnachrichten-Sendung eher spät – ins Bett gehe, schaue ich noch fünf Minuten auf TikTok. Ich darf das, ich habe dafür eine tadellos seriöse Begründung: In der ORF-Chefredaktion bin ich für unsere Social-Media-Auftritte verantwortlich, auch für einen extrem populären TikTok-Kanal, und logischerweise checke ich regelmäßig, was wir da tun.
Das Problem ist: Ich sehe die – exzellent gemachten – Videos der „Zeit im Bild“ nur, wenn ich aktiv danach suche. In meinem „Für dich“-Feed sind die nämlich nie. Da wird sehr viel getanzt (haben Sie schon mal Alfonso Ribeiro in der US-Version von „Dancing with the Stars“ gesehen? Unglaublich! Oder die Gardiner Brothers? Miranda Derrick?), es wird getrommelt (El Estepario Siberiano !!!), in den Talks-Shows von Graham Norton oder Jimmy Fallon gequatscht, in Casting-Shows unfassbar gut gesungen, für manuell minderbegabte Menschen wie mich geschraubt (Do-it-yourself-Life-Hacks ohne Ende!), von grotesk fitten Männern über fünfzig geturnt, von asiatischen Magier·innen Tischtennis gespielt und ziemlich viel gekämpft (WingTsun, Krav Maga, Kung Fu).
Ich sehe täglich neue Apartments in Manhattan (sehr schicke um mehrere Millionen, sehr geschmacklose um sehr viele Millionen und echte Löcher um 5.000 Dollar monatliche Miete) und Komodowarane, die ganze Schweine verschlucken. Unzerkaut.
Noch nie ist mir auf Tiktok die „Tagesschau“ begegnet. Oder die „New York Times“. Ich weiß, es liegt an mir. Hätte ich mal zufällig ein „Tagesschau“-Video gesehen und wäre bis zum Ende drauf geblieben, käme sie jetzt regelmäßig daher. Aber der Algorithmus von TikTok ist gnadenlos. Und das Tempo macht dich fertig.
Wenn dir ein Video in den ersten drei Sekunden nicht gefällt – weiter! Und weiter! Und weiter! Aber spätestens dann kommt wieder was, wo du einfach nicht wegschauen kannst. Und wenn du nach fünf Minuten auf die Uhr schaust, sind 25 Minuten vorbei. Oder 30. Manchmal auch 60.
Ich bin ein erwachsener Mensch und an sich nicht suchtaffin: kein Alkohol, kein Nikotin, keine Drogen, keine Spielsucht. Aber wenn ich die TikTok-App mal offen habe, kriege ich sie kaum wieder zu. Ich muss mich regelrecht dazu zwingen. Oder die Augen fallen mir zu, weil es Richtung halbdrei geht. Und ich fühle mich danach, als hätte ich ein Kilo Marshmallows verschlungen. Bunt, pickig, süß, dreieinhalbtausend Kalorien – und zero nahrhaft.
Dabei haben wir noch kein Wort über Datensicherheit geredet. Und über China.
TikTok ist die Hölle. Aber verdammt gut gemacht.
Dieser Text ist erstmals am 17.8.2023 auf uebermedien.de erschienen. (Illustration: Christoph Rauscher, Foto: Peter Rigaud)
Menschen, die auf Schirme starren
Are you lost in the world like me?
Animation by Steve Cutts
Nesthäkchen
Was für ein hinreißendes Zeitraffer-Video!
Putins Koch und Söldner
Es war eine bizarre 24 Stunden-Revolte, als Jewgeni Prigoschin und seine Wagner-Söldner am 24. Juni 2023 damit drohten, nach Moskau zu marschieren. Wladimir Putin sprach in einer düsteren TV-Ansprache von “Verrat” und drohte mit drakonischen Strafen. Kurz darauf war der Mann, der als “Putins Koch” bekannt geworden war, in Belarus, der Haftbefehl gegen Prigoschin wurde wieder aufgehoben und, wie man heute weiß, traf er wenige Tage später Putin persönlich.
Der NEW YORKER hat in einer sehr ausführlichen Recherche diese Tage rekonstruiert – und die Geschichte der “Gruppe Wagner” und ihres Gründers detailreich nachgezeichnet, auch mithilfe ehemaliger Söldner. Sehr lesenswert!
Wie objektiv können und müssten Journalist·innen sein?
In den letzten Jahren hat in der Medienbranche und in der Wissenschaft eine große Debatte über Objektivität im Journalismus begonnen. Gibt es sowas wie Objektivität überhaupt? Und selbst wenn: Ist Objektivität in der Berichterstattung über Klimaleugner, Rassisten oder Demokratiefeinde erstrebenswert?
A. G. Sulzberger, seit 2018 der Herausgeber der NEW YORK TIMES, des wohl einflussreichsten Mediums der Welt, hat dazu einen brillanten Essay geschrieben. Er ist sehr lang, aber sehr lesenswert!
Wozu Rundfunk-Gebühren? Frequently Asked Questions
Im Sommer 2022 hat der Verfassungsgerichtshof entschieden, dass die Form der Rundfunkfinanzierung in Österreich – die berühmte GIS – geändert werden musste. Es war nicht verfassungskonform, dass nur jene Gebühren bezahlten, die ein Radio- oder TV-Gerät zuhause hatten, während die Online-Nutzung derselben ORF-Programme über Handy, Laptop oder Computer gratis war.
Die Regierung hat sich für einen allgemeinen Rundfunk-Beitrag entschieden, wie ihn Deutschland schon seit 2013 hat und die Schweiz seit 2019. D.h. es müssen seit Anfang 2024 nicht mehr nur jene zahlen, die Rundfunkgeräte besitzen, sondern alle Haushalte in Österreich (wenn sie nicht aus sozialen Gründen befreit sind) und alle Unternehmen. Dafür wurde der neue „ORF-Beitrag“, wie er offiziell heißt, sehr viel billiger
Die Entscheidung für eine allgemeine Abgabe hat die – oft sehr emotionale und auch aggressive – Debatte über Rundfunkgebühren neu angefacht. Deshalb hier ein paar Antworten auf häufig gestellte Fragen:
WARUM SOLL ICH ZAHLEN, ICH SCHAUE NIE ORF?
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