Arbeiten in den Medien lauter Linke?

Die FPÖ hat sich eine Grafik über die AK-Wahlergebnisse 2014 in einigen österreichischen Medienbetrieben gebastelt und will damit belegen, dass in den heimischen Medien eine linkslinke „Einheitsfront“ regiert, „die schon fast an den medialen Pluralismus in der DDR erinnert“. Diese Grafik zeigt demnach, dass „der Linksanteil unter Journalisten rund doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung“ sei.

Wahlergebnisse nach Medien

Nur blöd, dass das die Grafik das ganz und gar nicht zeigt.

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Regieren mit Blau

Es gab und gibt in Österreich auf Bundes- und Landesebene bisher sechs Koalitionen, an denen die FPÖ beteiligt war: Rot-Blau 1983-86 im Bund und 2004-2006 in Kärnten. Schwarz-Blau 2000-2006 (später mit Orange) im Bund und etwa zeitgleich auch in Vorarlberg (1999-2004) und der Steiermark (2000-2005).

Und nun eben wieder Rot-Blau im Burgenland.
(In Landesregierungen saß die FPÖ natürlich noch viel öfter, weil die meisten Bundesländer lange Proporz-Verfassungen hatten. Da stellte sie gleichzeitig Landesräte und war im Landtag Opposition.)

Was konnte man bisher aus diesen Koalitionen lernen?

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40 Jahre ZiB 2 – Ein Rückblick

Die ZiB2 feiert heute ihren 40. Geburtstag. Am 3. Februar 1975 wurde sie zum ersten Mal ausgestrahlt – aber bis vor kurzem wussten wir das gar nicht.

Wir haben weder unseren 20., noch den 25., noch den 30. Geburtstag gefeiert. Erst vor ein paar Jahren ist ZiB2-Sendungschef Wolfgang Wagner zufällig in einer Diplomarbeit auf das Datum der ersten Sendung gestoßen. Und seitdem hat er sich vorgenommen, das nächste runde Jubiläum zu feiern. Heute ist es soweit.

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Von „Ohren-Ziehern“ und vom „Übers Knie legen“

In der heutigen PRESSE schildert ein Redakteur unter dem Titel „Wer Strafe nicht vollzieht, wird unglaubwürdig“, wie er seinen dreijährigen, offenbar entzückenden Sohn erzieht. Und warum er ihn gelegentlich „übers Knie legt“, ihn an den Ohren zieht und ihm immer wieder damit droht. Und dass er „totale Gewaltfreiheit in der Erziehung“ für einen „infantil-romantischen, militant-pazifistischen Irrglauben“ hält.

Ich dachte, mir dreht es beim Lesen dieses Textes den Magen um.

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Von A.R.S.C.H. bis L.i.e.b.E. – Lasst 1.000 Blumen (und Parteien) blühen

Im Parlament sitzen nur sechs von ihnen, aber nach aktuellem Stand gibt es in Österreich exakt 1.000 eingetragene Parteien.

Die alphabetisch gereihte Liste auf der Seite des Innenministeriums enthält ein paar bemerkenswerte Schmankerln von A wie Alpine Pogo Partei oder der Autonom revolutionär subversiv chaotischen Hackler Partei (eingetragene Kurzform: A.R.S.C.H.-Partei) über Die Eber und Die Emsigen (die wiederum nichts mit der GELD und BÖRSE-Partei zu tun hat) bis zu offensichtlich einschlägigen Gruppen, bei denen man sich ein wenig wundert, dass man die überhaupt anmelden darf, wie die Deutsch-Völkische Partei, die Nationale Front, die Nationalistische Befreiungs Front, die Nationale Rechtspartei oder die Nationale Volks-Partei.

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Sind alle Journalisten gekauft? (Spoiler: Nein)

Immer wieder in den letzten Wochen weisen Menschen hier in den Kommentaren ganz enthusiastisch auf ein Buch des ehemaligen Journalisten Udo Ulfkotte hin.

Dessen Kernthese lautet: In Deutschland existiere keine Pressefreiheit mehr und praktisch alle „Mainstream-Journalisten“ seien von der Nato und ihren Geheimdiensten gekauft und gelenkt.

An sich wäre dieser geballte Quersinn ja keine weitere Auseinandersetzung wert. Aber da er offenbar viele Menschen fasziniert, entsteht ein paradoxes Dilemma, das der deutsche Medienjournalist Stefan Niggemeier beschreibt: Setzt man sich nicht mit dem Buch auseinander, belegt das nur die „Verschwörung“, dass es „totgeschwiegen“ werden müsse. Setzt man sich damit auseinander, belegt das, wie wichtig und richtig das Buch sei.

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Versenkt

Ich habe so etwas auf meiner Facebook-Seite wirklich noch nie erlebt. Nicht mal annähernd.

Vor gut 24 Stunden habe ich den Screenshot oben von einem Posting-Wechsel zwischen einem Herrn Dobermann (der vermutlich nicht so heißt) und der grünen NR-Abgeordneten Alev Korun gepostet, über den ich auf Twitter gestolpert war.

Ich habe das nicht auf diese Seite gestellt, weil es mir um Frau Korun oder um die FPÖ ging, überhaupt nicht – sondern um den Umgang mit Ausländerfeindlichkeit („… dass gerade sie als Person mit Immigrations Hintergrund sich solche Kommentare sparen sollten.“ ).

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Die Qual mit der Quote

Vergangene Woche hat es SPÖ-Geschäftsführer Darabos im ZiB2-Studio behauptet: „Die Sozialdemokratie bemüht sich, diese Frauenquote zu erfüllen, aber derzeit ist es so, dass die Wahlordnung nicht zulässt, dass ein Mandat jetzt an eine Frau geht.“

Und heute sagt es die ehemalige Frauenministerin und nunmehrige NR-Präsidentin Bures in NEWS: „Das Parteistatut kann nicht über der Wahlordnung stehen“. Das stimmt. Natürlich.

Aber es erklärt trotzdem nicht, warum diese Woche ein Mann auf das freigewordene Parlamentsmandat von Barbara Prammer angelobt wurde, obwohl die SPÖ sich selbst eine Frauenquote von 40 % vorschreibt, die sie im Nationalrat noch nie erreicht hat.

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Scheiß-Krebs

Barbara Prammer ist nur 60 Jahre alt geworden. Ihre Krebsdiagnose, die sie selbst öffentlich gemacht hat, hat sie nicht einmal ein Jahr lang überlebt.

Mich hat die Nachricht von ihrem Tod sehr traurig gemacht – nicht nur, weil ich Frau Prammer fast 20 Jahre lang gekannt und persönlich sehr geschätzt habe. Und weil ich – wie viele Menschen – bewundert habe, wie sie mit ihrer Krankheit öffentlich umging. Sondern auch, weil einem ständig gezeigt wird, wie nahe eine Krebserkrankung ist.

Statistisch gesehen wird ein Bub, der heute in Ö. geboren wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 31 % vor seinem 75. Geburtstag an Krebs erkranken, ein Mädchen mit einer Wahrscheinlichkeit von 24 % (drei Viertel der Neuerkrankungen treten allerdings erst nach dem 60. Geburtstag auf).

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Die FPÖ, Andreas Mölzer und das „N-Wort“

Interessant. Vor zwei Tagen hat mir FPÖ-Chef Strache in der ZiB2 noch erklärt, das „N-Wort“ verwende er zwar nicht, es sei aber „nicht grundsätzlich rassistisch“ und „nicht generell zu verurteilen“, weil in der Kindersendung „Helmi“ in den 1980er Jahren sei es ja auch vorgekommen.

Und mit Andreas Mölzers Wochenzeitung ZUR ZEIT und ihren rassistischen Texten hätte die FPÖ überhaupt nix zu tun.

Heute klingt das alles plötzlich völlig anders. Zum „N-Wort“ sagt Strache nun: „Ich selbst verwende einen anderen Begriff dafür – und würde mich freuen, wenn wir alle einen anderen Begriff verwenden“.

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Armin Wolf ist Journalist und TV-Moderator. Sein Blog befasst sich v.a. mit Medien und Politik.

Armin Wolf