Versenkt

Ich habe so etwas auf meiner Facebook-Seite wirklich noch nie erlebt. Nicht mal annähernd.

Vor gut 24 Stunden habe ich den Screenshot oben von einem Posting-Wechsel zwischen einem Herrn Dobermann (der vermutlich nicht so heißt) und der grünen NR-Abgeordneten Alev Korun gepostet, über den ich auf Twitter gestolpert war.

Ich habe das nicht auf diese Seite gestellt, weil es mir um Frau Korun oder um die FPÖ ging, überhaupt nicht – sondern um den Umgang mit Ausländerfeindlichkeit („… dass gerade sie als Person mit Immigrations Hintergrund sich solche Kommentare sparen sollten.“ ).

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Die Qual mit der Quote

Vergangene Woche hat es SPÖ-Geschäftsführer Darabos im ZiB2-Studio behauptet: „Die Sozialdemokratie bemüht sich, diese Frauenquote zu erfüllen, aber derzeit ist es so, dass die Wahlordnung nicht zulässt, dass ein Mandat jetzt an eine Frau geht.“

Und heute sagt es die ehemalige Frauenministerin und nunmehrige NR-Präsidentin Bures in NEWS: „Das Parteistatut kann nicht über der Wahlordnung stehen“. Das stimmt. Natürlich.

Aber es erklärt trotzdem nicht, warum diese Woche ein Mann auf das freigewordene Parlamentsmandat von Barbara Prammer angelobt wurde, obwohl die SPÖ sich selbst eine Frauenquote von 40 % vorschreibt, die sie im Nationalrat noch nie erreicht hat.

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Scheiß-Krebs

Barbara Prammer ist nur 60 Jahre alt geworden. Ihre Krebsdiagnose, die sie selbst öffentlich gemacht hat, hat sie nicht einmal ein Jahr lang überlebt.

Mich hat die Nachricht von ihrem Tod sehr traurig gemacht – nicht nur, weil ich Frau Prammer fast 20 Jahre lang gekannt und persönlich sehr geschätzt habe. Und weil ich – wie viele Menschen – bewundert habe, wie sie mit ihrer Krankheit öffentlich umging. Sondern auch, weil einem ständig gezeigt wird, wie nahe eine Krebserkrankung ist.

Statistisch gesehen wird ein Bub, der heute in Ö. geboren wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 31 % vor seinem 75. Geburtstag an Krebs erkranken, ein Mädchen mit einer Wahrscheinlichkeit von 24 % (drei Viertel der Neuerkrankungen treten allerdings erst nach dem 60. Geburtstag auf).

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Die FPÖ, Andreas Mölzer und das „N-Wort“

Interessant. Vor zwei Tagen hat mir FPÖ-Chef Strache in der ZiB2 noch erklärt, das „N-Wort“ verwende er zwar nicht, es sei aber „nicht grundsätzlich rassistisch“ und „nicht generell zu verurteilen“, weil in der Kindersendung „Helmi“ in den 1980er Jahren sei es ja auch vorgekommen.

Und mit Andreas Mölzers Wochenzeitung ZUR ZEIT und ihren rassistischen Texten hätte die FPÖ überhaupt nix zu tun.

Heute klingt das alles plötzlich völlig anders. Zum „N-Wort“ sagt Strache nun: „Ich selbst verwende einen anderen Begriff dafür – und würde mich freuen, wenn wir alle einen anderen Begriff verwenden“.

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Hans-Peter Martin – Unplugged

Hans-Peter Martin verlässt die Politik. Er wird kein drittes Mal zur EU-Wahl mehr antreten. Dabei war er – an den Wahlergebnissen gemessen – einer der erfolgreichsten politischen Quereinsteiger.

Ich habe zu diesem Thema ja meine Diss geschrieben – und dafür auch mit HPM ein stundenlanges Interview geführt. Aus diesen Interviews ist damals ein Porträt-Band entstanden: „Promi-Politik“ (gem. mit Euke Frank, Czernin-Verlag 2006). Darin findet sich auch das folgende Kapitel über HPM. Es ist nun sieben Jahre alt – aber viel hat sich seither nicht geändert.

Was ich damals beachtlich fand, war HPMs Offenheit im Interview -alle seine Zitate stammen aus diesem Gespräch:

„VIKTOR KLIMA WAR DER MANN, ICH WAR DIE FRAU.“

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Die Schlüsselmomente der letzten 100 Jahre

Was waren die zehn wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte der letzten hundert Jahre – und welche die fünf wichtigsten in Österreich?

Das haben ich für die letzte ZiB2 des Jahres die führenden ZeitgeschichtlerInnen und PolitologInnen Österreichs gefragt. Anlass war das beginnende „Gedenkjahr“ 2014: 100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 80 Jahre österreichischer Bürgerkrieg, 75 Jahre Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, 25 Jahre nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“.

orf.at hat daraus ein hochinformatives und toll illustriertes Schwerpunkt-Thema gemacht. Und hier geht es zu den mindestens so spannenden Einzelwertungen der 19 befragten HistorikerInnen samt ihren Begründungen.

Wer am Watschenbaum rüttelt…

… darf sich nicht wundern, wenn die Watschen auch runterfallen. Und gestern Abend habe ich – durchaus bewusst – recht fest am Watschenbaum gerüttelt.

Nach meinem Interview mit Oscar Bronner, das ich gestern verlinkt hatte, habe ich mir die Postings dazu auf standard.at angeschaut. Dort ging es interessanterweise nahezu ausschließlich um die angebliche „Bilderberger“-Weltverschwörung (und ein wenig darum, wie sehr ich im Interview wiedermal auf die Poster hinhacken würde).

Also schrieb ich gestern Abend auf meine Twitter-Seite: „Es ist wirklich beachtlich, wieviele Verschwörungs-Paranoiker sich im Standard-Forum tummeln. Was die wohl alle im echten Leben machen?“ Und: „Ich werde nie verstehen, warum man als Posting jeden Unsinn veröffentlicht, der es aus gutem Grund nie in die ‚Leserbriefe’ schaffen würde.“

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Oscar Bronner: Gründer & Griesgram

Ich bin seit meinem 19. Lebenjahr Journalist. In diesen 28 Jahren hatte ich einige fantastische Lehrmeister (Danke, Roland Machatschke, Franz Kössler, Raimund Löw, Johannes Fischer!) und viele, viele tolle KollegInnen, von denen ich sehr viel gelernt habe und bis heute lerne. Zu viele, um sie alle hier aufzuzählen.

Und ich hatte drei journalistische HeldInnen: Die hinreißende Barbara Coudenhove-Kalergi (unbedingt lesen: ihre Autobiografie „Zuhause ist überall“), den unvergleichlichen, viel zu früh verstorbenen Robert Hochner und Oscar Bronner.

Barbara Coudenhove und Robert Hochner durfte ich näher kennenlernen und mit beiden arbeiten. Oscar Bronner hingegen kenne ich persönlich kaum. Aber mein Interesse am Journalismus begann als 15jähriger mit einer PROFIL-Titelgeschichte über „Die Journalisten“. Da war Bronner schon etliche Jahre nicht mehr beim PROFIL, das er ein Jahrzehnt zuvor als 27jähriger (!) gegründet hatte, und sein Name sagte mir damals noch nichts.

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Nichtwähler-Beschimpfung

Einer der interessantesten Aspekte an diesem Wahlkampf ist ja, wer ihn für die ÖVP macht – nämlich Frank Stauss von der Berliner Agentur Butter.

Stauss ist einer der bekanntesten Wahlwerber Deutschlands, hat aber bisher ausschließlich Wahlkampagnen für Sozialdemokraten geplant – über zwanzig von Hannelore Kraft über Klaus Wowereit bis Gerhard Schröder. Jetzt arbeitet er erstmals für eine konservative Partei.

Der Sozialdemokrat Stauss ist 48, schwul und mit einem Mann verheiratet, mit dem er sich beim „Berliner Patenprojekt“ um zwei Kinder einer alleinerziehenden Mutter kümmert. Also ein doch eher unkonventioneller Background für einen ÖVP-Wahlkampf.

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Vertragen Politiker die Nahaufnahme?

Vor knapp dreißig Jahren hat der amerikanische Medientheoretiker Joshua Meyrowitz eines der bis heute zentralen Bücher über das Fernsehen geschrieben. Unter dem Titel „Die Fernseh-Gesellschaft“ ist es 1987 auch auf Deutsch erschienen. Ein großes Kapitel widmet Meyrowitz darin der Frage, was das Fernsehen (schon damals) mit unserem Bild von Politikern macht.

Dieses Buch fiel mir in den letzten Tagen immer wieder ein, während der vielen Wahl-Konfrontationen, die von einem riesigen Publikum gesehen werden. 3,45 Millionen Österreicher haben zumindest in eines der bisher zwölf TV-Duelle hineingeschaut, das sind 47 % der Wahlberechtigten. Im Schnitt hatte jede Konfrontation durchgehend 741.000 Seher, die meisten waren es bei Spindelegger-Strache (841.000) und Faymann-Strache (838.000).

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Armin Wolf ist Journalist und TV-Moderator. Sein Blog befasst sich v.a. mit Medien und Politik.

Armin Wolf