Alle Beiträge von Armin Wolf

Geboren am 19. August 1966 in Innsbruck. Studium der Politikwissenschaft (mit einer Fächerkombination aus Zeitgeschichte, Soziologie und Erwachsenenbildung) in Innsbruck und Wien. Sponsion 2000, Promotion 2005. Postgraduate-Studium Business Administration in Berlin, MBA 2010. Seit 1985 ORF-Journalist. Ab 2002 Moderator der ZiB2, seit 2010 auch stellvertretender Chefredakteur der TV-Information.

Der Desinformations-Krieg

Das ist eine ziemlich erschreckende Recherche über die Wahlkampf-Taktiken des Trump-Teams im Internet – von zigtausenden, nur minimal unterschiedlichen Facebook-Werbespots, die gleichzeitig an Millionen Menschen geschickt werden, über „Zensur durch Lärm“ und die konzertierte Diffamierung kritischer Journalist*innen bis zum Einsatz erfundener Online-Lokalmedien.
(Danke für den Hinweis, Ingrid Brodnig!)

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THE ATLANTIC, March 2020

Sind die Medien kaputt?

Eine ausführliche Sammel-Besprechung mehrerer neuer Bücher über Journalismus und den düsteren Zustand der Medienbranche in den USA, wo es heute um fast zwei Drittel weniger Tageszeitungs-Journalist*innen gibt als vor dreißig Jahren, so sich die Auflage der Tageszeitungen in den letzten fünfzig Jahren fast halbiert hat (während die Bevölkerung um die Hälfte gewachsen ist) und wo Google alleine vier Mal so hohe Werbeeinnahmen hat, wie die gesamte Zeitungsbranche.


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THE NEW YORK REVIEW OF BOOKS, February 2020

On the record – Off the record

Dieser Tage sorgt ein „Hintergrundgespräch“ von Bundeskanzler Kurz für ziemliche Aufregung, in dem dieser – für seine Verhältnisse untypisch emotional und heftig – die Wiener Korruptions-Staatsanwaltschaft angegriffen hat. Warum man das weiß? Weil der FALTER diese Woche über diese Kritik berichtet hat.

Das ist sehr ungewöhnlich, weil „Hintergrundgespräche“ an sich dafür da sind, damit nicht darüber berichtet wird, wer dort was gesagt hat. Der FALTER hat in diesem Fall keine „Spielregeln“ gebrochen (mehr dazu später) – doch seither wird auch grundsätzlich über solche Hintergrund– oder off the record-Gespräche diskutiert.

Was ist das genau, wozu gibt es sie überhaupt und ist das nicht eine fragwürdige Kungelei zwischen Politik und Medien?

Tatsächlich ist es völlig normal, dass sich Journalist*innen mit Menschen treffen, die ihnen – auch vertraulich – Informationen weitergeben. Das ist ein wesentlicher Teil unserer Berufs. Wir tippen nicht nur Pressekonferenzen, Parlamentssitzungen oder öffentliche Dokumente ab, sondern reden auch mit Informant*innen. Diese wollen aber häufig anonym bleiben, weil sie Nachteile befürchten, wenn bekannt wird, dass sie Medien etwas aus ihrer Partei, ihrer Firma oder ihrer Behörde erzählt haben.

(DEEP) BACKGROUND

Das Ungewöhnliche ist, wie das in Österreich gehandhabt wird – v.a. im Vergleich zu anderen Ländern. Es gibt nämlich so gut wie keine Regeln, was Hintergrund in Österreich genau bedeutet.

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Trumps Teleprompter-Mann

Wenn der US-Präsident eine Rede hält, sieht man links und rechts vor ihm zwei durchsichtige Glasplatten auf einem Ständer – sein Teleprompter, von dem er den Text seiner Rede abliest. Die meisten Politiker tun das auch – Donald Trump improvisiert.
Großartige Reportage über den Mann, der Trumps Teleprompter bedient:


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POLITICO.COM, 4.2.2020

SPIEGEL-Schrift

Ein gutes Jahr nach der Reotius-Affäre hat der SPIEGEL heute neue Redaktions-„Standards“ veröffentlicht, die ab sofort für alle Mitarbeiter*innen gelten. 74 sehr lesenswerte Seiten, in denen im Detail beschrieben wird, wie SPIEGEL-Geschichten recherchiert, aufgeschrieben und überprüft werden sollen und wie die Redaktion künftig mit Fehlern umgehen will. Ich kenne keine Redaktion in Österreich, die derart ausführliche Leitlinien für ihre Arbeit hat.

SPIEGEL-STANDARDS Cover
SPIEGEL.DE, 3.2.2020

Unsere 50 häufigsten Vorurteile

Leider denken wir ja alle nicht annähernd so logisch, wie wir gerne glauben. Sogenannte Biases führen dazu, dass wir ganz unterschiedlich mit Informationen umgehen. Diese Grafik zeigt sehr hübsch und übersichtlich die 50 häufigsten dieser „Verzerrungen“.
(Danke für den Hinweis, Dirk von Gehlen!)


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VISUAL CAPITALIST, 1.2.2020

Der schnelle Geri

Gestern Abend wurde Gerold Riedmann, der Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten und Geschäftsführer von Russmedia als österreichischer „Medienmanager des Jahres“ ausgezeichnet (neben vielen tollen Journalist*innen und dem ORF als „Redaktion des Jahres“ – mehr dazu hier, Fotos von der Veranstaltung hier). Ich durfte die Laudatio für ihn halten:


Soweit ich das sehe, ist Gerold Riedmann – mit Ausnahme von Eva Dichand im Jahr 2005 – der bisher jüngste „Medienmanager des Jahres“. Und trotzdem müsste man fragen: Warum eigentlich erst jetzt?

Man hätte ihn genausogut schon letztes Jahr auszeichnen können oder vorletztes, oder auch vor 31.

Im Herbst 1988 hat Gerold Riedmann sein erstes Medium gegründet. Er war damals elf. Das Internet hatte er damals noch nicht erfunden, also musste er ganz klassisch im Print-Bereich beginnen. Das Magazin hieß GERI. (Wie sagt Robert Hochner: Das Archiv ist die Rache des Laudators am Geehrten.)

Titelbild GERI-Magazin 1988

GERI war, muss man sagen, ja eine durchaus selbstbewusste Titel-Entscheidung. Ich mein, nichtmal Wolfgang Fellner hatte die Nerven, den „Rennbahn-Express“ WOLFI zu nennen.

Beim GERI-Magazin war der Geri Riedmann Chefredakteur, Geschäftsführer, Stratege, Vertriebler und Marketing-Mann – also ziemlich genau das, was er heute auch noch ist. Die Auflage war damals noch etwas geringer: 15 Stück steht im Impressum.

Aber nicht nur die Titelwahl war selbstbewusst, auf Seite 2 kann man auch die Warnung zu lesen: „Achtung: Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten“.  Drei Rufzeichen.

Was ein bisserl keck war – direkt unter einem Artikel, in dem das schöne Gemüse Aubergine vorkommt. Im GERI wurde Aubergine allerdings so geschrieben wie Kellner und Gleis – also „Oberschiene“. So einen Fehler behält man natürlich gerne.

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„Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus“

Die Weihnachtsfeiertage habe ich diesmal damit verbracht, den Historikerbericht der FPÖ zu lesen. 668 Seiten, die – ziemlich überraschend – am 23. Dezember, dem Fenstertag vor Weihnachten, veröffentlicht wurden.

An so einem Tag ist nicht nur das halbe Land bereits in den Weihnachtsferien sondern auch ein Großteil der Journalist*innen und der Historiker*innen an den Unis. Und es erscheinen an den Feiertagen kaum Zeitungen. Dementsprechend gab es bisher noch keine ausführliche Rezension des Berichts. Ich musste ihn für ein ZiB2-Interview mit Andreas Mölzer am 27. Dezember aber ohnehin lesen – und fand ihn in vielerlei Hinsicht erstaunlich.

Entstanden ist die FPÖ-Historikerkommission ja aus der Debatte rund um ein Liederbuch der schlagenden Burschenschaft Germania Anfang 2018, wenige Wochen nach dem Regierungseintritt der FPÖ. Damals regte Parteichef Strache in einer Presseaussendung an, „dass sich die Korporationen und das Dritte Lager einer Aufarbeitung der Vergangenheit widmen. Dies könne durch eine Historikerkommission erfolgen, die sich schonungslos mit den Fehlern der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen solle.“

Den Vorsitz der Kommission übernahm der Rechtshistoriker und ehemalige FPÖ-Abgeordnete Wilhelm Brauneder. Zusätzlich wurde eine „Koordinierungsgruppe“ aus früheren FPÖ-Politikern eingesetzt, die Andreas Mölzer leitete und deren Sinn nie wirklich erklärt wurde. Noch im Lauf des „Gedenkjahres“ 2018 sollten Ergebnisse vorliegen, tatsächlich wurde ein erster kurzer Zwischenbericht im Sommer 2019 von allen einschlägigen Expert*innen in Grund und Boden kritisiert. Jetzt liegt also der Endbericht (PDF) vor. Zur Präsentation wurde übrigens weder der Kommissions-Vorsitzende eingeladen noch die anderen Autoren, die den Bericht auch Tage später noch nicht bekommen hatten, wie Brauneder der ZiB2 erzählt hat.

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Charmeur, Lügner, Wirrkopf, Stratege – Wer ist Boris Johnson?

Das ist ein sehr lesenswertes, langes Porträt des britischen Premierministers Boris Johnson – geschrieben von einem ehemaligen Oxford-Studienkollegen:Screenshot mit Link


NEW YORK MAGAZINE, 6.12.2019

Wozu wir Journalist*innen brauchen

Mit diesem kurzen Video will Reporter ohne Grenzen zeigen, wie unsere „Nachrichten“ aussehen würden, wenn es keine Journalist*innen gäbe: